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Tief durchatmen in Peking

Guten Morgen!
Chile ist frei von der Lepra, Peking hat seine Feinstaub-Belastung halbiert, und eine bulgarische trans Frau sowie ein schwules Paar aus der Ukraine haben sich vor Gerichten durchgesetzt. Hier findest du wie jede Woche erfreuliche Nachrichten aus aller Welt – und ganz unten noch eine besondere Neuigkeit vom MOMENT.at-Team.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat die Rechte von trans Personen gestärkt. Einem neuen Urteil zufolge haben trans Menschen das Recht auf Ausweisdokumente, die ihrer gelebten Geschlechtsidentität entsprechen. Mitgliedsstaaten müssen Änderungen von Geschlechtseinträgen in Personenstandsregistern erlauben. Hintergrund ist der Fall einer bulgarischen Staatsbürgerin, die bei der Geburt als männlich registriert wurde und heute als Frau in Italien lebt. Bulgarische Gerichte hatten ihren Antrag auf Änderung ihrer Dokumente abgelehnt, weil das nationale Recht eine solche Änderung nicht vorsehe. Ihr Fall geht nun zurück an die bulgarischen Gerichte, die müssen bei ihrer Entscheidung aber die Vorgaben des EuGH beachten. Einem europäischen Dachverband von queeren Organisationen zufolge dürfte das Urteil auch für trans Menschen aus Ungarn und der Slowakei von Bedeutung sein. Dort sei die rechtliche Geschlechtsanerkennung faktisch unmöglich.
Auch aus der Ukraine gibt es gute Nachrichten für queere Menschen: Dort hat das Oberste Gericht erstmals eine gleichgeschlechtliche Beziehung als Familie anerkannt. Zwei Ukrainer, die 2021 in den USA geheiratet hatten, hatten vor einem Kyjiwer Gericht auf eine Legalisierung ihrer Beziehung geklagt und im Juni 2025 Recht bekommen. Eine konservative Organisation hatte gegen diese Entscheidung Berufung eingelegt – nun hat das Oberste Gericht die Berufung abgeschmettert und die Entscheidung des Kyjiwer Gerichts bestätigt.
Frauenstreik (www.moment.at/story/frauenstreik-in-wien) + Männerdemo (https://www.moment.at/story/maennerdemo-gegen-maennergewalt/)

Peking, London, Berlin, Warschau, Brüssel, Paris, Rom, San Francisco und elf weiteren Städten ist es gelungen, innerhalb von 15 Jahren sowohl ihre Feinstaub- als auch ihre Stickstoffdioxid-Belastung um jeweils mehr als 20 Prozent zu senken. Das zeigt eine neue Analyse der Organisation „Breathe Cities“, für die Schadstoff-Levels in 99 Städten von 2010 bis 2024 verglichen wurden. Auch über alle untersuchten Städte hinweg sank die durchschnittliche Schadstoffbelastung. Den größten Rückgang bei der Feinstaub-Belastung verzeichneten Peking (minus 48 Prozent) und Warschau (minus 46 Prozent). Die Stickstoffdioxid-Belastung ging in Amsterdam und Rotterdam (minus 44 bzw. 43 Prozent) am stärksten zurück. Der Report beschreibt auch, welche Faktoren zu den Verbesserungen beigetragen haben: Die besonders erfolgreichen Städte haben unter anderem Fußgängerzonen, Rad-Infrastruktur und Grünflächen ausgebaut, ihren öffentlichen Verkehr modernisiert und erweitert, ihre Busflotten auf E-Busse umgestellt, Ladesäulen für E-Autos aufgestellt und Umweltzonen oder Fahrverbote für besonders schadstoffintensive Fahrzeuge eingeführt.
https://www.watson.de/nachhaltigkeit/good-news/171342550-vietnam-hauptstadt-hanoi-beschliesst-verbrenner-aus-fuer-mopeds (Beschluss ist allerdings von letztem Juli und tritt erst im Juli in Kraft)

Es gibt auf der Welt heute doppelt so viele Länder, die für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „Lepra-frei” gelten, wie noch Anfang des Jahres. Nämlich zwei. Die WHO hat 2024 Jordanien als erstes Land mit dieser Auszeichnung versehen – seit kurzem gilt Lepra auch in Chile als eliminiert. Allerdings ist dieser Status vor allem eine Frage der offiziellen Feststellung durch die WHO, die ein Staat beantragen muss. Weltweit wurden 2024 zwar über 170.000 Fälle gemeldet, aber in 55 Ländern gab es keine Fälle. Lepra gilt prinzipiell auch in Europa als ausgerottet. Vereinzelte Fälle treten trotzdem auf – vor allem durch Reisende. In Österreich wurde zuletzt im Mai 2025 ein Fall im Wiener AKH behandelt. Lepra ist eine bakterielle Infektionskrankheit und eine der ältesten Krankheiten, die die Menschheit kennt. Die Tropenkrankheit verursacht ohne Behandlung bei Betroffenen zunehmende und dauerhafte Behinderungen. Bei guter Gesundheitsversorgung gilt sie mittlerweile aber als vollständig heilbar.
HIV-Bekämpfung Afrika: https://www.deutschlandfunk.de/praevention-projekt-in-kenia-und-uganda-reduziert-hiv-neuinfektionen-drastisch-100.html plus https://www.dw.com/de/simbabwe-neu-hivmedikament-len-lenacapavir-aids-prophylaxe-frauen-spritze-infektion-sexarbeit/video-76223615
https://www.euronews.com/2026/03/11/european-hedgehogs-are-often-hit-by-cars-researchers-say-ultrasound-could-save-them-from-e (Aber ich frag mich, ist ständiger Schall für die Igel dann nicht ur stressig?)

Folgende Top-Stories hast du diese Woche nur auf MOMENT.at gelesen.
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Und hier kommt noch die allerbeste Nachricht der Welt der Woche:
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