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Klitoris, Cannabis und andere schöne Dinge

Guten Morgen!
Die Woche brachte uns nicht nur schöne Nachrichten über weibliche Anatomie und Cannabis-Legalisierung beim großen Nachbarn. Sie war auch eine Erinnerung daran, was wir schon alles erreicht haben. Mehr dazu liest du wie jeden Samstag in der Guten Woche.

Seit zwei Jahren dürfen Erwachsene in Deutschland legal Cannabis besitzen und anbauen. Forschungsprojekte begleiten die Teillegalisierung und untersuchen ihre Auswirkungen. Jetzt ist ein neuer Bericht erschienen. Der zeigt: Weder bei Erwachsenen noch bei Jugendlichen ist der Cannabiskonsum seit der Teillegalisierung gestiegen. Jugendliche schätzen Cannabis auch nicht als weniger gefährlich ein. Ein erhoffter Effekt ist tatsächlich eingetreten: Die Zahl der Strafverfahren und der Verurteilungen wegen Drogendelikten ist zurückgegangen. Mehr Menschen beziehen ihr Cannabis aus legalen Quellen. Zwar gibt es auch Probleme. Etwa, dass junge Menschen jetzt seltener Beratungen und Programme zur Frühintervention in Anspruch nehmen – vermutlich, weil sie nicht mehr so leicht von der Justiz dazu verpflichtet werden können. Doch die meisten Befürchtungen, die auch konservative Politiker geschürt haben, sind bisher nicht eingetreten.
Zur Erinnerung, welche positiven Entwicklungen wir schon erlebt haben: Erst 25 Jahre ist es her, dass die weltweit erste gleichgeschlechtliche Ehe geschlossen wurde. In den Niederlanden wurden solche Ehen am 1. April 2001 legalisiert, mittlerweile sind fast 40 Staaten dem Beispiel gefolgt. In Österreich ist die Ehe für alle seit dem 1. Jänner 2019 erlaubt – wegen einer Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes. FPÖ und ÖVP wollten damals dagegen vorgehen, sahen aber keinen rechtskonformen Weg. So kurz es auch her ist, so selbstverständlich erscheint es uns mittlerweile. Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, wie schnell solche erkämpften Rechte wieder weggenommen werden können. Daran werden wir aber ohnehin fast täglich durch die Handlungen Donald Trumps erinnert.

Noch eine Erinnerung, wie unfassbar schnell positive Entwicklungen verlaufen können: Solarenergie wird über kurz oder lang das Rennen um den Energieversorger Nummer eins auf der Welt gewinnen, wenn man sich die Zahlen ansieht. 2015 hat Photovoltaik noch 228 Gigawatt Strom erzeugt. Das hat damals ein Prozent der globalen Elektrizitätsleistung ausgemacht. 2020 waren es etwa drei Prozent. Und vergangenes Jahr haben wir weltweit 2.919 Gigawatt mit Solarenergie produziert - das sind bereits zehn Prozent der Energie weltweit und damit mehr, als Atomkraft geschafft hat. Und die Energieform wächst weiter exponentiell: 2030 könnten bereits 20 Prozent des globalen Strombedarfs damit gedeckt werden, glaubt man den Vorhersagen. Das kann man ruhigen Gewissens, denn die waren in der Vergangenheit eher konservativ. Sogar in den USA wächst Solarenergie trotz der Bemühungen der aktuellen Regierung, den Ausbau zu blockieren, weiter stark an.

Die Klitoris wird bis heute von vielen ignoriert – auch in der Medizin. Jetzt haben Forscher:innen aber zum ersten Mal alle Nervenbahnen des Organs kartografiert. Das ganze Paper samt Grafiken kannst du dir hier genauer ansehen. Mit dem Penis ist das bereits 1998 passiert. Im selben Jahr wurde zum ersten Mal die grundsätzliche Anatomie der Klitoris veröffentlicht. Noch 1995 wurde sie in Lehrbüchern als „kleine Version des Penis“ bezeichnet. Die neue Forschung hat praktische Anwendungen: Sie kann Ärzt:innen helfen, bei Operationen Nerven nicht zu verletzen. Verletzungen kommen bisher regelmäßig vor und führen unter anderem zu Orgasmus-Schwierigkeiten. Auch für eine passende Rekonstruktion müssen Ärzt:innen genau wissen, wie die Nerven verlaufen. Rekonstruktionen der Klitoris passieren häufig nach Fällen von weiblicher Genitalverstümmelung.

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