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Die perfekte Welle

Guten Morgen!
Diese Woche hat uns eine Welle der besonders schönen Art gebracht. Auch sonst hat es einige gute Nachrichten angespült. Welche das sind, erfährst du einmal mehr in der Guten Woche.

Fast zwei Jahre haben sieben Aktivist:innen in Graz auf ein Urteil warten müssen. Sie hatten einem Burschenschafter die Kappe gestohlen, bei dem Vorfall hat er sich mehrere Rippen gebrochen. Den Aktivist:innen wurde schwerer Raub vorgeworfen, was bis zu 15 Jahre Haft bedeutet. Bei den Ermittlungen haben Behörden schwere Geschütze aufgefahren: sieben (teils rechtswidrige) Hausdurchsuchungen, internationale Haftbefehle und U-Haft für die zwei Hauptangeklagten. Am Ende wurden es gerade einmal ein Monat beziehungsweise zwei Monate bedingte Haft wegen Diebstahls, in einem Fall kam fahrlässige Körperverletzung dazu. Der Ausgang lässt die sehr überzogenen Ermittlungsmethoden noch peinlicher wirken. Wir waren bei dem teilweise skurrilen Prozess vor Ort.
Finanzielle Unterstützung rettet das Leben von Neugeborenen. Das sind die Erkenntnisse aus dem Programm “Rx Kids” in Flint, Michigan. Dabei erhalten Familien einmalig 1.500 Dollar während der Schwangerschaft und 500 Dollar monatlich nach der Geburt. Diese größere finanzielle Sicherheit sorgt für mehr Stabilität. Betroffene müssen sich weniger um Wohnung oder Nahrung sorgen und können mehr für ihre Gesundheit machen.
Die Todesrate von Neugeborenen sank dabei zwischen 2021 und 2025 in den ersten 28 Tagen nach der Geburt eines Kindes um 50 Prozent, in den ersten sieben Tagen sogar um 74 Prozent. Eine frühere Studie konnte bereits feststellen, dass die Anzahl der Frühgeburten sowie die Zahl der Neugeborenen mit niedrigem Geburtsgewicht durch das Programm zurückgingen. Beides Faktoren, welche zu einer höheren Sterblichkeit bei Neugeborenen führen.

Nach Ungarn, Serbien und Brasilien hat auch in den USA die Demokratie ein kräftiges Lebenszeichen von sich gegeben. Schon im Sommer war der Republikanischen Partei von Präsident Trump ein schmerzhaftes Ergebnis bei den Midterms vorhergesagt worden. Für sie kam es noch schlimmer als erwartet. Die “blaue Welle” hat Bundesstaaten umgefärbt, bei denen ein demokratischer Sieg bis vor kurzem noch als unmöglich galt. Gründe dafür gibt es viele. Die Mischung aus katastrophaler wirtschaftlicher Situation, hohen Spritpreisen, unmenschlicher Politik, abgehobenen Kandidat:innen bei den Republikanern und starken demokratischen Bewerbern hat dafür gesorgt, dass die Demokraten sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat jetzt die Mehrheit haben. Damit kann Donald Trump zumindest eingebremst werden. Was die Demokraten noch aus ihren Mehrheiten machen, bleibt abzuwarten - sie hätten zumindest die Möglichkeit, einiges umzukrempeln.

Nicht nur für die republikanische Partei waren die Midterms katastrophal. Auch Datenzentren wurden dabei abgestraft. Insgesamt 45 Mal standen Maßnahmen für oder gegen sie in einzelnen Bezirken zur Wahl. 39 Maßnahmen zur Einschränkung von Rechenzentren erhielten die Mehrheit, nur einmal wurden sie befürwortet. Bei sechs stehen die Ergebnisse noch aus, sie dürften aber auch gegen sie ausfallen, ein Ergebnis muss noch veröffentlicht werden. Datenzentren sind eines der wenigen Themen, bei denen Wähler:innen beider Seiten in ihrer Ablehnung übereinstimmen. In den USA führen sie für viele Menschen zu einem extremen Anstieg der Stromkosten, dazu kommen Lärm- und Umweltverschmutzung. Gleichzeitig hat die Bevölkerung nichts davon, die lokale Wertschöpfung ist minimal. Werden alle geplanten Datenzentren in den USA bis 2030 fertiggestellt, könnten dadurch die Emissions-Einsparungen der vergangenen 15 Jahre zunichtegemacht werden. Auch in Europa werden Datenzentren zu einem immer größeren politischen Thema.

Die zuständige US-Behörde hat das Medikament “Lenacapavir” als Generikum zugelassen. Das Medikament verhindert die Verbreitung des HI-Virus fast vollständig. Das verursacht AIDS und tötet immer noch jede Sekunde einen Menschen auf der Welt. Im Gegensatz zu anderen sogenannten PrEP-Medikamenten muss “Lenacapavir” nicht täglich als Tablette genommen werden. Zwei Spritzen im Jahr genügen für den Schutz. Der Preis in reichen Ländern ist (und bleibt vorerst) aber noch absurd. 28.000 Dollar will Hersteller Gilead dafür pro Jahr. So viel Geld hat natürlich fast niemand, der einem HIV-Risiko ausgesetzt ist. Da bleibt man dann doch lieber bei den viel billigeren Tabletten. Für Menschen in armen Ländern sind auch die meist noch zu teuer, außerdem ist der regelmäßige Zugang dazu schwierig. Das ist ein extremes Hindernis, um die globale HIV-Epidemie endlich zu beenden. Der Hersteller hat nun aber nach langen Verhandlungen zugestimmt, es in 120 ärmeren Ländern für 40 Dollar pro Jahr zu verkaufen. Ab 2027 soll der erhoffte “Gamechanger” dort verfügbar sein. Und hab nur keine Angst um den Pharmakonzern. 40 Dollar sind gemessen an den reinen Herstellungskosten immer noch 30 Prozent Gewinn.

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