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Bessere Bedingungen für Soziale Arbeit

Guten Morgen!
Sozialarbeiter:innen ziehen an einem Strang für ein Berufsgesetz, Schüler:innen in 400 Schulen in Österreich werden mit dem Chancenbonus unterstützt und der US-Bundesstaat Washington führt Reichensteuern ein. Diese und andere gute Nachrichten findest du wie jede Woche hier in der Guten Woche.

Vor fast zwei Monaten haben die nicht-ärztlichen Beschäftigten der oberösterreichischen Ordensspitäler zum ersten Mal gestreikt. Sieben von acht Ordenskliniken haben sich daran beteiligt. Und das in einem Bereich, der selten streikt. Denn die Betreuung der Patient:innen ist für die Beschäftigten meistens die Priorität. Zwei Monate und einen weiteren Streik später ist die mittlerweile siebte Verhandlungsrunde für einen neuen Kollektivvertrag diese Woche wieder gescheitert. Das ist die schlechte Nachricht. Doch es gibt auch einen Lichtblick: Die Arbeitgeber hätten ihr Angebot laut Gewerkschaft vida mittlerweile besonders bei der Frage der Arbeitszeitverkürzung nachgebessert. Nach zwei Streiks sind die Arbeitgeber - und in diesem Fall auch die Politik - also doch bereit, ihr Angebot besser zu gestalten. Der aktuelle Vorschlag wird nun von der Belegschaft diskutiert. Kommende Woche könnte es zu einer Einigung kommen.
Am 17. März war Internationaler Tag der Sozialen Arbeit. Hunderte Sozialarbeiter:innen und Sozialpädagog:innen sind in Wien auf die Straße gegangen, um für ein eigenes Berufsgesetz zu demonstrieren.
Sie fordern klare gesetzliche Rahmenbedingungen für ihre Arbeit und ein Ende der Kürzungen im Sozialbereich.Soziale Arbeit betrifft oft existenzielle Lebenslagen, von Armut bis zu Krisensituationen. Trotz dieser Verantwortung fehlen bis heute verbindliche Standards und ein klar geregelter Berufsschutz. Besonders im Fokus steht dabei auch der Schutz der Klient:innen, die auf qualifizierte und professionelle Unterstützung angewiesen sind. Ein Berufsgesetz soll sicherstellen, dass nur entsprechend ausgebildete Fachkräfte in sensiblen Bereichen arbeiten. Auch für Sozialarbeiter:innen selbst würde ein Gesetz mehr rechtliche Klarheit und Sicherheit im Berufsalltag bringen. Die Forderung besteht seit über 30 Jahren und die Demo zeigt: Der Druck auf die Politik wächst.

Ab Herbst gibt es mit dem “Chancenbonus” mehr Unterstützung für Schulen, an denen besonders viele Kinder ungünstige Lernvoraussetzungen haben. Zum Beispiel weil die Eltern keinen höheren Bildungsabschluss oder wenig Einkommen haben oder die Erstsprache von Kindern nicht Deutsch ist. Diese Kinder können oft zuhause nicht so gut unterstützt werden wie Kinder aus privilegierteren Familien. 400 Schulen werden mit insgesamt 65 Millionen Euro pro Jahr gefördert. Sie bekommen aber nicht das Geld. Stattdessen wird mehr Personal finanziert. Ob eine Schule mehr Lehrer:innen, Sozialarbeiter:innen, Sozialpädagog:innen oder Schulpsycholog:innen braucht, kann sie selbst entscheiden.
Bildung wird in Österreich besonders stark vererbt. Kinder von Akademiker:innen haben im Schnitt viel höhere Abschlüsse als Kinder von Nicht-Akademiker:innen. Die haben in der Folge deshalb auch niedrigere Einkommen und ein höheres Armutsrisiko. Dem will die Regierung nun etwas entgegenwirken.
Der US-Bundesstaat Washington wird Millionärssteuern einführen. Wer ein Einkommen über 1 Million Dollar hat, muss in Zukunft 9,9 Prozent auf den Betrag darüber abgeben. Die Steuer soll rund 20.000 Haushalte betreffen. Die Einnahmen von rund 4 Milliarden Dollar sollen unter anderem gratis Essen in Schulen finanzieren. Eines der Vorbilder ist die Vermögenssteuer im Bundesstaat Massachussetts, die 2022 eingeführt wurde und wesentlich mehr Einnahmen als gedacht einbrachte. Es wäre die erste Einkommenssteuer in Washington, bisher hebt der Staat nur Gewerbe- und Umsatzsteuern ein. Zehn Versuche für eine Einkommenssteuer wurden bisher von Wähler:innen abgelehnt. Als Reaktion auf Trumps Politik wurden in Washington in den vergangenen Monaten mehr progressive Kandidat:innen auf lokaler Ebene ins Amt gewählt. Die Einstellung gegenüber übermäßigem Reichtum wendet sich auch in einem Bundesstaat, der bisher als beliebter Wohnort für Wohlhabende galt.

Wer in einer Stadt ein großes Auto fährt, sollte auch mehr dafür zahlen. Immer mehr Städte führen höhere Gebühren für große Autos ein. Auch London plant jetzt welche. Dafür gibt es viele gute Gründe. In London hat sich die Zahl der SUVs (das ist ein Marketingbegriff - im Prinzip geht es um große, hohe, schwerere Autos) in den vergangenen 20 Jahren verzehnfacht. Viele dieser Autos sind größer als die Parkplätze der Stadt. Beim Fahren nehmen sie anderen Verkehrsteilnehmer:innen viel Platz und Sicht weg. Um SUVs in der Stadt weniger attraktiv zu machen oder ihre Besitzer:innen zumindest an den zusätzlichen Kosten zu beteiligen, will Londons Bürgermeister Sadiq Khan, dass sie höhere Gebühren zahlen. Er wird von Rechten dafür als “anti-Auto”-Ideologe bezeichnet. Seine Antwort: Er sei “anti-Tod”, nicht “anti-Auto”. Städte wehren sich weltweit zunehmend gegen die SUV-Flut. Paris und Zürich haben das Parken für größere Autos deutlich teurer gemacht. In Graz und Wien wird die Maßnahme diskutiert, aber noch nicht umgesetzt.

Forscher in Schottland haben eine Methode entwickelt, um Plastikmüll in ein Medikament gegen Parkinson umzuwandeln. Dafür wird Plastik aus Flaschen zuerst in kleine chemische Bausteine zerlegt. Diese Bausteine werden dann von speziellen, veränderten Bakterien weiterverarbeitet. Die Bakterien produzieren daraus den Wirkstoff L-DOPA, der bei Parkinson wichtig ist.
Das Besondere daran ist, dass zum ersten Mal Plastik direkt für die Herstellung eines Medikaments genutzt wird. Das Verfahren könnte umweltfreundlicher sein als bisherige Methoden, die oft auf Erdöl basieren. So könnte Plastikmüll zu einer nützlichen Ressource werden. In Zukunft könnten auf diese Weise auch andere Produkte hergestellt werden, zum Beispiel Kosmetik oder Chemikalien. Bisher wurde die Methode aber nur im Labor getestet. Es wird noch dauern, bis sie im großen Maßstab eingesetzt werden kann und alle nötigen Tests bestanden sind.

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